Freitag, 13. März 2009
Wenn die Hunde bellen
Mittwoch, 11. Februar 2009
Donnerstag, 5. Februar 2009
Überwältigend
Die Biene landete im hohen Gras. Sie kroch einen Stängel hinauf, um eine bessere Aussicht zu haben. Von hier aus konnte sie alles sehen.
„Wenn ich melancholisch bin, dann weiß ich, dass es Liebe war. So viel Liebe, dass ich sie nicht in mir halten kann. Zu viel für meinen kleinen Körper. Ich lasse sie gehen und bin irgendwie traurig.“
„Überwältigend“, sagte die Biene.
Dienstag, 27. Januar 2009
Angst vor dir
„Ich habe Angst“, sagte sie.
„Angst wovor?“, fragte er.
„Vor dir“, sagte sie.
„Vor mir“, wiederholte er.
„Ich habe auch Angst“, sagte er.
„Angst wovor?“, fragte sie.
„Vor dir“, sagte er.
„Vor mir“, wiederholte sie.
Sie griff nach seiner Hand, zusammen gingen sie einige Schritte.
„Du bist so groß“, sagte sie.
„Ohne dich bin ich Nichts“, sagte er.
„Nichts“, wiederholte sie.
„Du bist so stark“, sagte er.
„Ohne dich bin ich Nichts“, sagte sie.
„Nichts“, wiederholte er.
Er griff nach ihrer Hand, zusammen gingen sie einige Schritte.
„Fühlst du es?“, fragte er.
„Es ist ein wunderbares Gefühl“, sagte sie.
„Fühlst du es?“, fragte sie.
„Fühle ich es?“, wiederholte er.
Er legte seine Hand auf ihren Bauch.
„Ein wunderbares Gefühl“, sagte er.
Sie nahmen sich an der Hand, zusammen gingen sie einige Schritte.
Sonntag, 25. Januar 2009
Fiebertraum
Ich stehe im Raum. Auf einmal füllt er sich, ist nicht länger nur ein leeres Gerüst. Er füllt sich mit dem Nichts, Gegenstände verschwinden, feste Wände verblassen. Und dennoch, ein festes Gefüge um mich herum. Ich mache einen Schritt, lausche. Da ist sie wieder, die Bedeutung. Lautlos dringt sie in mich ein wie ein Schrei. Ein lautloser Schrei. Ich drehe mich um, suche sie. Die lautlosen Stimmen, sie reden mit mir. Ich kann sie nicht hören, doch ich fühle. Ich bin zu Hause, in meinem eigenen Zimmer, doch es ist eine andere Dimension. Das Altvertraute, aber eine andere Wahrnehmung. Die Materie verschwindet aus dem Bewusstsein. Überall nur noch das Nichts und die lautlosen Stimmen. Sie hallen durch den Raum, drücken auf mein Bewusstsein, sie sind in mir. Ihnen fehlt der Inhalt und trotzdem vermitteln sie Bedeutung. Die Stimmen erzählen Dinge, die nicht passen. Ich weiß es, doch ich habe keine Chance. Noch wache ich nicht auf, aus diesem Bewusstseinstraum. Schwer wie Steine zieht die Bedeutung an mir. Sie treibt mich durch den Raum. Niemand wird es verstehen, nur der, der es fühlt. Es gab Zeiten, da erfüllte mich der Zustand mit Angst und Verzweiflung. Verstört suchte ich nach dem Ausweg, aus dem Raum ohne Wände. Doch heute bin ich wieder hier, ich kenne ihn schon, den Raum des Nichts. Ich weiß, dass ich ihn nur selten betreten kann. Viel zu selten stehe ich ihr persönlich gegenüber, der Bedeutung. Ich lasse mich darauf ein und lausche. Sie hat mir nichts zu sagen, doch sie ist da. Ich stehe im Raum der Bedeutung.
Samstag, 24. Januar 2009
Tag Unendlich
Stell dir den unendlichen Tag vor. Dein Ende vor seinem. Dein Leben, das einer Eintagsfliege. Kürzer noch. Ein Tag. Hat der Tag ein Ende, du würdest es nicht wissen. Hat der Tag einen Anfang, du kennst ihn nicht. Wie lange würdest du brauchen dich einzugewöhnen. Wie lange dich zu verabschieden. Bleibt Zeit für den Mittag? Würdest du den Sonnenuntergang beobachten. Ihr Verschwinden, das Symbol für deins. Würdest du es schaffen den Tag über zu rennen, oder schliefest du aus. Denk darüber nach. Du hast alle Zeit der Welt. Einen Tag, der nicht endet. Nicht vor dir. Möchtest du lernen, was Gestern war? Interessiert dich überhaupt, wie Morgen wird? Genau das möchte ich von dir wissen. Sag es mir. Ich lade dich ein. Erzähl von dir. Treffen wir uns? Aber nicht erst heute Abend. Stell ihn dir vor, den unendlichen Tag.
John
John, was macht die Waffe an meinem Kopf? John, sie mich an. Wo kommt sie her, wo gehst Du hin. John, gib sie mir. Ich stehe hier, gehöre Dir. Du musst es nicht tun. Sie mich an, ich habe Flügel. Wir verschwinden von hier. Nur wenn Du mir versprichst, Du lässt mich nicht zurück. Versprich Dich mir. John, sie mich an. Wisch das Gestern aus dem Glanz Deiner Augen. Nun mach schon. Du wirst es nicht tun. Sieh doch, wie Du zitterst. John, Du bist stark. Ich sage es nicht noch einmal. Komm mit mir. Jetzt. Jetzt nach draußen, Du und ich. Raus von hier, raus aus Jetzt. Raus. Aus. John, sie mich an. Deine Augen, Du schließt sie jetzt. John, was macht die Waffe an Deinem Kopf?
Samstag, 13. Dezember 2008
Rückenwind
Schwarze Löcher im Universum. Unaufhörlich ziehen sie Masse an. Diese folgt ihrem Schicksal, ohne nachzudenken, und verschwindet. Irgendwo existiert das schwarze Loch des Glücks. Man kann Glück nicht kaufen. Machtkämpfe dominieren nicht nur Ghettos, der Regen durchweicht auch Jacketts. Man kann es verkaufen.
Ich habe die Entscheidung. Stehe an einer Wegzweigung und habe keine Münze. Ein Weg ist groß und eben. Er ist ausgebaut und verspricht eine leichte Reise. Am Ende steht Reichtum und damit verbunden die unendlichen Möglichkeiten. Der Weg hat ein Ende. Der andere ist klein und ein wenig versteckt. Ich nehme diesen Weg und habe Angst. Kein Ende in Sicht, nur die Etappenziele vor Augen. Doch ich habe mein Glück nicht verkauft und wenn ich es verliere habe ich noch meinen Stolz. Das schwarze Loch geht leer aus, die Welt gewinnt an Farbe.
Montag, 8. Dezember 2008
In aller Stille
Im leicht schwankenden Wasser konnte sie ihr Gesicht erkennen. Die Angst war einem entschlossenen Blick gewichen. Vorsichtig ließ sie sich in das lauwarme Wasser gleiten. Sie war keine gute Schwimmerin und als sie nach wenigen Minuten den Steg weit hinter sich gelassen hatte, wusste sie ihre Kräfte überfordert zu haben. Ihre schmerzenden Arme ließen keinen langen Kampf mit dem Verstand zu. Für Augenblicke wurde das zirpende Geräusch der Grillen an Land von dem durcheinandergewirbelter Wassermassen übertönt. Dann Stille. Wolken schoben sich vor den Mond und einzig die Kleidungsstücke auf dem Steg blieben als Zeugen der nächtlichen Szene zurück.
Das kleine Mädchen
Angespannt sitzt es auf seinem Kinderstuhl, die Arme auf den Tisch gestützt. Das kleine Mädchen. Eine für seine Hände viel zu große Schere arbeitet sich zittrig durch das Papier. Gefährlich fest hat es seine Zunge zwischen die Zähne geklemmt, der Blick ist glasig konzentriert. Als wolle es die Figur mit den Zähnen aus dem Papier reißen, bewegt sich sein Kiefer angespannt hin und her, mit dem Kopf folgt es den Bewegungen der Schere.
Scheppernd fällt die Schere auf den Tisch, das Mädchen springt auf, stößt dabei seinen Stuhl nach hinten um. Ein stolzes Strahlen dominiert sein Gesicht. Es zerknüllt das übrige Papier, wirft es in die Ecke und presst seinen neuen Schatz fest an die Brust. Seine Hand ist gerade groß genug um es zu verbergen - ein Herz aus Papier. Mit dem neuen Besitz kommt die Angst. Schnell rennt das Mädchen hinter das Bücherregal in die geheime Ecke. Es ist meins, denkt es sich. Das kleine Mädchen.
Auf der anderen Seite des Bücherregals hebt ein kleiner Junge das Blatt vom Boden auf. Auf dem verknitterten Papier erkennt er sein Bild. Ein großes herzförmiges Loch klafft in der Mitte. Was was er mühevoll gezeichnet hatte, verschwunden, herausgerissen. Mit großen Augen starrt er auf den Fetzen, den er in seinen Händen hält. Eine Träne kullert über seine Wange. Der kleine Junge.